3.12.2025

Digitale Souveränität: Warum deutsche Unternehmen jetzt handeln müssen

Warum digitale Souveränität immer relevanter wird

In einer zunehmend digitalisierten Welt wird die Fähigkeit, selbstbestimmt über eigene Daten, Technologien und digitale Infrastrukturen zu verfügen, zum kritischen Erfolgsfaktor. Dass das Thema immer wichtiger für Entscheider wird, sehen wir nicht nur bei unseren langjährigen Kunden, sondern auch auf dem diesjährigen IT-Summits von Heise „Digitale Souveränität – Basis für eine resiliente IT“.

Die große Mehrheit der in Deutschland eingesetzten Technologien stammen aus dem Ausland: amerikanische Unternehmen stellen 80-90 % der eingesetzten Chips, 70 % der genutzten Cloud-Kapazitäten und 70 % Large Langeauge Models für Generative KI zur Verfügung. 

Diese Abhängigkeiten stellen nicht nur ein theoretisches Risiko dar, sondern eine konkrete Bedrohung für die Handlungsfähigkeit deutscher Unternehmen. So haben z.B. die amerikanischen Hyperscaler AWS und Microsoft nicht dementiert, im Zweifelsfall europäische Daten gemäß des US Cloud Acts an ihre Regierungsbehörden weiterzugeben. Ein weiteres dramatisches Beispiel für politische Einflussnahem durch Tech Giganten: Die von Microsoft durchgesetzte E-Mail-Sperre des Chefanklägers am europäischen Gerichtshof nach Trump’s Sanktionen gegen vier Richter. Besonders in Zeiten geopolitischer Spannungen wird digitale Souveränität damit zur strategischen Notwendigkeit. 

 

Was bedeutet digitale Souveränität wirklich?

 

Digitale Souveränität beschreibt weit mehr als nur technologische Unabhängigkeit. Es geht um die Fähigkeit, selbstbestimmt über digitale Technologien, Daten und Infrastrukturen zu verfügen und unabhängige Entscheidungen zu treffen. Sie ist kein Aufruf zur vollständigen Autarkie, sondern vielmehr die Basis für selbstbestimmtes Handeln in der digitalen Welt.

Digitale Souveränität ist ein Zustand, in dem Unternehmen nicht von einzelnen digitalen Akteuren abhängig sind, sondern faire Preise aushandeln und selbst entscheiden können, wo ihre Daten gespeichert werden. Bernie Wagner, CEO von Stack IT bringt es auf den Punkt: „Digitale Souveränität ist die Fähigkeit vom Verhandlungstisch aufzustehen.“

Die drei Säulen der digitalen Souveränität – Wie sichern Sie Ihre digitale Zukunft?

Zur Bewertung von möglichen Maßnahmen sollte man sich der digitalen Souveränität über 3 Dimensionen nach Gartner nähern: Datensouveränität, Betriebliche Souveränität und Technologische Souveränität

  • 1. Datensouveränität: Wer kontrolliert Ihre wertvollsten Ressourcen?

    Die digitale Souveränität eines Unternehmens beginnt mit der Kontrolle über die eigenen Daten. Datensouveränität bedeutet die vollständige Kontrolle über die eigenen Daten – von der Speicherung bis zur Verarbeitung. Für Führungskräfte deutscher Konzerne ist dies besonders relevant, da viele Unternehmen auf ausländische Software-Anwendungen und Cybersicherheitslösungen angewiesen sind.

    Im Zeitalter der KI wird dieser Aspekt noch wichtiger: Digitale Souveränität bedeutet letztlich das Recht, die eigenen Daten zu kontrollieren – einschließlich der Möglichkeit, Daten bei Bedarf zu löschen und wiederherzustellen. Diese Kontrolle ist besonders wichtig für die Einhaltung von Vorschriften, die den Datenfluss über Grenzen hinweg einschränken.

     

    Strategische Ansätze:

    • Transparente Datenverarbeitung: Implementierung von Systemen, die vollständige Transparenz über Datenflüsse bieten, z.B. Monitoring-Tools, die alle Datenzugriffe und -bewegungen dokumentieren.
    • Open-Source-Software: Nutzung von Open-Source-Lösungen statt proprietärer Software, um Abhängigkeiten zu reduzieren
    • Datenverschlüsselung: Konsequente Verschlüsselung aller sensiblen Daten, wobei die Schlüssel ausschließlich im eigenen Unternehmen verbleiben
    • Implementierung europäischer Cloud-Lösungen mit garantierter DSGVO-Konformität
    • Regelmäßige Überprüfung von Datenverarbeitungsverträgen mit externen Dienstleistern

     

    Eine gezielte Datenstrategie ist der erste Schritt zu mehr Datensouveränität – Intero hat dafür ein eigenes Framework entwickelt. Mehr dazu finden Sie hier.

  • 2. Betriebliche Souveränität: Können Sie den Betrieb Ihrer kritischen IT-Komponenten sicherstellen?

    Die Kontrolle über die eigene IT-Infrastruktur wird angesichts geopolitischer Spannungen zunehmend wichtiger. Ca 75 % aller Cloud-Daten liegen bei den 3 führenden Hyperscalern Googel, Azure und AWS, die alle drei US-basiert sind. Diese starke Abhängigkeit der EU von ausländischen Tech-Giganten für kritische Infrastruktur stellt erhebliche Risiken für Privatsphäre, Sicherheit und wirtschaftliche Autonomie dar.

    Die geopolitischen Spannungen zwischen Europa und den USA sind ein Risiko für die europäischen Hyperscaler-Kunden, aber zugleich auch eine große Chancen für die europäischen Cloud-Dienstleister.

     

    Strategische Ansätze:

    • Souveränität bei Sourcing-Entscheidungen berücksichtigen zur Diversifizierung von Lieferanten, z.B. Aufbau von hybriden Lösungen (Cloud-Dienstleister und OnPremise Rechenzentren) oder Multi-Cloud Ansätzen (mehrere Cloud-Dienstleister idealerweise in unterschiedlichen geopolitischen Regionen)
    • Aufbau von Notfallplänen für kritische Infrastrukturkomponenten
    • Strategische Investitionen in europäische Technologiealternativen
  • 3. Technologische Souveränität: Wie unabhängig sind Ihre digitalen Entscheidungen?

    Technologische Souveränität ermöglicht es Unternehmen, ihre digitale Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Die Herausforderung besteht darin, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Vorteilen globaler Technologiemärkte und der Notwendigkeit eigener Kontrolle über kritische Technologien zu finden. Technologische Souveränität bedeutet nicht komplette Isolation, sondern die Fähigkeit, in einer vernetzten Welt selbstbestimmt agieren zu können. 

    Für Unternehmen bedeutet dies, die Kontrolle über strategisch wichtige Technologien zu behalten und Abhängigkeiten zu minimieren.

    Besonders kritisch ist die Lage hinsichtlich Hardware bei Halbleitern, da über 90 % der modernsten Chips in Taiwan produziert werden. Softwareseitig bereitet vor allem KI Sorgen, da die meisten KI-Anwendungen auf Large Language Models aus den USA (70 %) oder Asien (15 %) basieren. 

    Vergleicht man die 3 Säulen der Digitalen Souveränität, dann ist Technologische Souveränität die größte Herausforderung. Die Verringerung dieser Abhängigkeit erfordert eine eindeutige politische Zielsetzung, die eine gemeinsame Ausrichtung von Wirtschaft und Wissenschaft ermöglicht.

Wie können Unternehmen ihre digitale Souveränität steigern? Vertrauen neu bewerten – Wo liegen Ihre größten Abhängigkeiten?

Die Vertrauenswürdigkeit internationaler Partner spielt eine entscheidende Rolle. Deutsche Unternehmen haben ein hohes Vertrauen in Partner aus der EU, während das Vertrauen in Partner aus Drittländern deutlich geringer ausfällt. Ein gemeinsames Werteverständnis und einheitliches Rechtsumfeld schaffen nicht nur erhöhtes Vertrauen in den sicheren Betrieb und die Datensicherheit, sondern gewährleisten auch die zuverlässige Umsetzung regulatorischer Anforderungen.

Eine umfassende Souveränitätsstrategie muss die Daten, Hardware, Netzwerke und Softwareschutzmaßnahmen berücksichtigen, die zur Definition der eigenen souveränen IT-Landschaft beitragen.

 

Konkrete Maßnahmen für mehr digitale Souveränität:

 

  1. Risikobewertung durchführen
    • Kritische Abhängigkeiten identifizieren
    • Auswirkungen geopolitischer Risiken analysieren
  2. Lieferanten diversifizieren
    • Strategische Partnerschaften mit europäischen Anbietern aufbauen
    • Fokus auf interoperable Lösungen legen
    • Open-Source Lösungen einsetzen
  3. In eigene Kompetenzen investieren
    • Aufbau interner Expertise in Schlüsseltechnologien
    • Kooperationen mit europäischen Forschungseinrichtungen
  4. End-to-End-Verschlüsselung priorisieren
    • Wie Cybersecurity-Experten betonen, fordert digitale Souveränität uns heraus, "komplexe Bereiche der Technologie, Politik und Menschenrechte zu navigieren. Durch die Förderung uneingeschränkter E2E können wir eine sicherere digitale Zukunft schaffen" 
Fazit:

Jetzt handeln für eine souveräne digitale Zukunft

Die digitale Souveränität ist für deutsche Unternehmen kein theoretisches Konzept, sondern eine strategische Notwendigkeit. Branchenexperten prognostizieren, dass bis 2028 über 50% der multinationalen Unternehmen Strategien für digitale Souveränität haben werden, gegenüber weniger als 10% heute.

Die gute Nachricht: Mit einem strukturierten Ansatz können Unternehmen ihre digitale Souveränität Schritt für Schritt erhöhen und gleichzeitig von den Vorteilen internationaler Zusammenarbeit profitieren. Bei digitaler Souveränität geht es letztlich darum, wie Technologien und Dienste reguliert und kontrolliert werden – ähnliche Prinzipien gelten für Unternehmen und Staaten gleichermaßen.

 

Ihre nächsten Schritte mit Intero Consulting

 

Mit unserer langjährigen Erfahrung in IT-Transformationsprojekten unterstützt Intero Consulting Sie bei der Stärkung Ihrer digitalen Souveränität. Unsere Expertise in den Bereichen Digitalisierung, IT-Strategie und Providersteuerung hilft Ihnen, Ihre digitale Zukunft selbstbestimmt zu gestalten.

Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Erstberatung zur Analyse Ihrer aktuellen Risiken und Ableitung von individuellen Maßnahmen zur Steigerung Ihrer digitalen Souveränität.

Ihre Experten zu Digitaler Souveränität

Dies ist ein Portrait von Nadine Goeppel.

Nadine Göppel

Partner
Portraitfoto von Christin Mädler

Christin Mädler

Senior Consultant

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