17.04.2026

Open Finance in der Praxis: 2 Anwendungsfälle der FiDA-Regulatorik

Vom Pflichtprogramm zur Wertschöpfung: Wie die FiDA-Regulatorik jetzt neue Geschäftsmodelle und überlegene Kundenerlebnisse für Finanzdienstleister ermöglicht.

Mit der aufkommenden FiDA Regulatorik nimmt Open Finance in Europa konkrete Gestalt an. Während die strategische Bedeutung offener, kundenzentrierter Datenökosysteme zunehmend klar wird, rückt nun die Frage in den Fokus, wie Finanzdienstleister die neuen regulatorischen Rahmenbedingungen in konkrete Wertschöpfung übersetzen können.

FiDA schafft erstmals die Grundlage für einen standardisierten, institutsübergreifenden Zugriff und Austausch von Finanzdaten, der weit über den bisherigen Open-Banking-Ansatz hinaus geht. 

In diesem Beitrag beleuchten wir zwei exemplarische Anwendungsfälle, die zeigen, wie Finanzdienstleister FiDA nutzen können, um Kundenerlebnisse zu verbessern, Entscheidungsprozesse zu optimieren und neue Marktanteile zu gewinnen.

Ganzheitliche Finanzoptimierung über ein 360°-Dashboard

FiDA ermöglicht es Nutzern erstmals, Daten von unterschiedlichen Finanzdienstleistungen in einem zentralen Dashboard zusammenzuführen. Bankkonten, Versicherungen, Investments und Kredite können institutsübergreifend aggregiert und konsolidiert dargestellt werden. Besonders relevant ist dabei, dass diese Transparenz unabhängig vom jeweils führenden Anbieter entsteht. Für den Kunden ergibt sich erstmals ein vollständiger, aktueller Überblick über seine finanzielle Situation, ohne separate Logins oder manuelle Recherchen und auf Basis eines verpflichtenden, nutzerautorisierten Datenaustauschs zwischen Instituten.

Auf Basis dieser holistischen Datenlage können Finanzdienstleister deutlich über reine Transparenz hinausgehen. Automatisierte Analysen ermöglichen es, bestehende Produkte systematisch zu bewerten und dem Kunden Optimierungspotenziale zu aufzuzeigen. Dies könnte etwa durch günstigere Kontomodelle, alternative Kreditstrukturen, kostengünstigere Investmentprodukte oder die Aufdeckung von Doppel- und Überversicherungen. Ein Vermögensverwalter kann beispielsweise kostenoptimierte Portfolio-Strukturen vorschlagen, eine Bank gezielt Umschuldungsoptionen aufzeigen oder ein Versicherer bedarfsgerechte Anpassungen des Deckungsschutzes empfehlen.

Strategisch eröffnet sich für Institute die Möglichkeit, neue Vergleichs- und Wechselservices zu etablieren und sich als primäre digitale Schnittstelle des Kunden zu positionieren. Wer ein solches „Financial Home“ anbietet, stärkt nicht nur die Kundenbindung, sondern etabliert sich als vertrauenswürdiger Partner für ganzheitliche Finanzentscheidungen. Ergänzend entstehen neue Ertragspotenziale durch datengetriebene Services wie automatisierte Bedarfsanalysen oder personalisierte Optimierungsempfehlungen. 

Der transparente Einblick in Wettbewerbsprodukte liefert zudem wertvolle Impulse für die eigene Produktstrategie und unterstützt eine gezielte Differenzierung im Markt.

Automatisierte Kreditentscheidungen basierend holistischen Finanzdaten

FiDA verändert zudem die Rahmenbedingungen für das Kreditgeschäft grundlegend. Zwar arbeiten Institute auch gegenwärtig bereits verstärkt mit disruptiven Technologien wie künstlicher Intelligenz, um Kreditentscheidungen zu treffen, allerdings wird diese Entwicklung unter FiDA auf ein neues Level gehoben. Banken erhalten (auch hier ausschließlich nach expliziter Zustimmung des Kunden) Zugriff auf relevante Finanzdaten des Kunden anderer Institute und Dienstleister. Auch diese Daten können nun erstmals systematisch in Echtzeit in die Kreditentscheidung integriert werden.

Im Kern verschiebt sich der Fokus der Kreditentscheidung von statischen Kennzahlen hin zu einer dynamischen Cashflow-Analyse. Externe Kontoumsätze, wiederkehrende Einnahmen, variable Ausgaben, bestehende Kredit- und Leasingverpflichtungen sowie neue Finanzierungsformen wie Buy-now-pay-later können automatisiert in das Kreditmodell integriert werden. Dadurch entsteht ein deutlich realistischeres Bild der tatsächlichen finanziellen Belastbarkeit eines Kreditnehmers.

Diese erweiterte Datenbasis ermöglicht eine neue Generation von Risikomodellen:

  • feinere Segmentierung von Kundenprofilen
  • frühere Identifikation von Stress-Szenarien
  • bessere Prognose der Rückzahlungswahrscheinlichkeit über den gesamten Kreditzyklus

Kreditentscheidungen werden damit nicht nur schneller, sondern auch belastbarer. In vielen Fällen können Entscheidungen vollautomatisiert und nahezu in Echtzeit getroffen werden, was insbesondere im digitalen Neugeschäft die Conversion bei Instituten, die FiDA schnell adaptieren signifikant erhöhen kann. Gleichzeitig lassen sich Kreditkonditionen stärker individualisieren, da Preis, Laufzeit und Sicherheiten am tatsächlichen Risikoprofil ausgerichtet werden können. So können Institute ihre Wettbewerbsposition stärken und Ausfallrisiken minimieren. Durch die nahtlose Integration automatisierter Kreditentscheidungen in digitale Kundenerlebnisse positioniert sich das Institut als verlässlicher, datenkompetenter Finanzierungspartner im Open-Finance-Zeitalter.

Die beschriebenen Anwendungsfälle verdeutlichen exemplarisch, wie FiDA als Katalysator für neue datengetriebene Business Cases wirken kann. Sie stellen jedoch nur einen Teil der Möglichkeiten dar, die sich aus der neuen Regulatorik ergeben. In einem weiteren Blogartikel möchten wir weitere Anwendungsfelder näher beleuchten und einordnen, welche Finanzdienstleister davon besonders profitieren können.

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